Ilona Klotz
Sie sind hier: Startseite » Fährten-Kurse » Fährtenwochenende vom 22.-23.03.2014

Fährtenwochenende vom 22.-23.03.2014

Fährtenwochenende vom 22./23.03.2014

Missy Issi und die GeFährten

Am 22.03.2014 war’s endlich wieder soweit: Issi hatte zum Fährtenwochenende geladen, und alle sind sie erschienen.
Samstag 9 Uhr morgens war für die ’Fährten-Frischlinge’, die zum ersten Mal daran teilnahmen, Treffpunkt bei Issi daheim im westerwäldischen Rossbach. (Die 'alten Hasen', d.h. die Fortgeschrittenen durften ein knappes Stündchen länger schlafen.) Das wiederum bedeutete für unsereins: Früh aufstehen! Empfiehlt sich ohnehin, wenn man – wie jeder weiß – den Wurm fangen will. (Doch ganz nebenbei: Wer mag schon Würmer?)
Für mich als ausgewiesenen Nachtmenschen eine echte Herausforderung. Zu meinem persönlichen Erstaunen klappte das jedoch erheblich besser als befürchtet.
Wie auch immer, kurz vor 8 Uhr war mitsamt 'Hundesohn' Armin an Bord Abfahrt in Richtung Westerwald. Die Ankunft wäre bis auf zwei Minuten beinah 'ne Punktlandung geworden. Issi empfing und begrüßte mich herzlich. Im Wohnzimmer saß Heike bereits am Tisch und würfelte auf einem Brettchen emsig Fleischwurst (Darf's ein bisschen mehr sein?).
Bevor wir praktisch in die Materie einstiegen, bekamen wir zwei Rookies in Sachen Tracking und Trailing zunächst einige theoretische Einweisungen. Denn das mit dem Fährtentreten ist dann doch nicht ganz so simpel, wie es sich vielleicht für den Laien anfänglich gemeinhin darstellen mag.
Während Heike und ich weiterhin unbeirrt unsere mitgebrachten Wurstwaren zerkleinerten (danke nochmals an dieser Stelle für Deine tatkräftige Hilfe), wurden wir von Issi mit aufschlussreichen Informationen versorgt, die sowohl den Verlauf als auch den äußeren Rahmen der Veranstaltung betrafen.
Dabei geht es im wesentlichen gleichsam um die Abfolge gewisser Muster wie auch um Handlungs- und Verhaltensweisen vonseiten des Menschen dem Tier gegenüber, die ab einem bestimmten Zeitpunkt eher die Kunst des kontrollierten Sich-Zurücknehmens in den Vordergrund stellen.
Obwohl, wie ich zugeben muss, vorher auf youtube ein wenig gespinkst (damit man sich nicht ganz blamiert), hatte ich keine konkreten Vorstellungen von dem, was mich da erwarten würde.
Es hat in der Tat vieles von dem, was zweifelsohne als Sport bezeichnet werden darf. War mir bis dahin nicht so klar. So wird u.a. am Beginn ein Stab in den Boden gesteckt, der sog. Abgangsstab, an dem der Hund mit dem Kommando "such!" seine Nasenarbeit aufnimmt.

Eine Stunde veranschaulichter Theorie verstrich wie im Flug, und um ca. 10 Uhr waren auch die anderen geladenen Gäste eingetroffen.
Im einzelnen waren das: Christel mit Berner Sennenhündin Veruschka, Bettina und Frank mit Entlebucher Frieda, Stefanie und Ulli mit Friedas Sohn Anton sowie Heike mit Beaglebunny Momo und ich mit Beaglebuddy Armin.
Letzterer wurde sogleich auf eine harte Probe gestellt, die für ihn und mich eine Premiere war: Alle Hunde sollten, solange deren Frauchen und/oder Herrchen die jeweiligen Fährten traten resp. diese von ihren tierischen Artgenossen einzeln nacheinander abgesucht wurden, auf ihren Einsatz wartend allein im Auto bleiben.
Mein erster Gedanke: Oha! Armin, der ohnehin nicht zu knapp von Verlust- und Verlassensängsten geplagt ist, war bis dato noch nie allein im Fahrzeug zurückgeblieben. Insofern wusste ich nicht, was passieren würde.
Zu meiner abermals freudigen Überraschung klappte das von Anfang an völlig problemlos. Zu sehen, dass er brav im Auto ausharrte, ohne dasselbe in sämtliche Einzelteile zu zerlegen, war für mich ein erstes Erfolgserlebnis an diesem Tag. Einer von vielen kleinen, dennoch denkwürdigen Momenten an jenem für Mensch und Tier ereignisreichen Wochenende, der einem nur allzu deutlich aufzeigte, dass man seinem vierbeinigen Begleiter ruhig auch mal so einiges zutrauen darf.
Entsprechend hochmotiviert ging's raus aufs Feld und sprichwörtlich um die zuvor zer- und nun gelegte Wurst.
Jeder bekam ein separiert abgestecktes Terrain zugeteilt, innerhalb dessen die Fährte getreten wurde.
Dabei galt es, Fußstellungen im Zusammenspiel mit der Kraftaufwendung des Tritts zu koordinieren. Jeder Tritt soz. ein Treffer – so lautet die Devise. D.h.: Wenn möglich, keine Fehltritte. Getreten ist getreten. Korrekturen sind dann nur noch bedingt reversibel.
Das Geruchsbild für den Hund entsteht mittels der durch den Vorgang des Tretens beschädigten Erdoberfläche sowie der im Zuge dessen zerstörten Pflanzen und Mikroorganismen.
Beim ersten Versuch hab' ich als absoluter Beginner natürlich so ungefähr jeden Anfängerfehler gemacht, den man nur machen konnte (z.B. das Endfutter zur Belohnung vergessen, anschließend quer in die Fährte getrampelt etc.). Peinlich und ärgerlich zugleich, letztlich einfach nur lehrreich, denn beim 2. Durchgang am Nachmittag klappte alles schon sehr viel besser. So langsam bekam ich sogar richtig Spaß am Treten und Legen der Fährte.
Diejenigen, die weitaus erfahrener waren als wir blutigen Novizen, hatten geschickterweise Skizzen ihrer getretenen Figuren aufs wohlweislich von Zuhause mitgenommene Papier gebracht, somit für sie selbst und Außenstehende nachvollziehbar.

Mittags gab's dann für alle Zweibeiner 'Essen auf Rädern' in Gestalt des ortsansässigen Gastwirts vom "Sonnenhof", der ein heißes Süppchen aus der Gulaschkanone direkt in die Feldküche herankarrte. An dem ansonsten nicht gerade von der Sonne verwöhnten Tag genau das Richtige.
Überhaupt war das Catering perfekt. Es mangelte an nichts. Sogar einen Kuchen als Nachtisch gab's (ganz nach dem Geschmack des Chronisten :-)).
Apropos Tisch: Den und die dazugehörigen Stühle mitsamt Pavillon, welcher kurzerhand aufgebaut wurde und für “German Gemütlichkeit“ sorgte, hatten die campingerfahrenen Teilnehmer mitgebracht.
Nach der Stärkung und einem kleinen Verdauungsspaziergang mit unseren Spürnasen ging's schnurstracks in die zweite Runde.
Alle gingen im übrigen geschlossen bei jedem Hund mit. Sollte man bei der Gelegenheit auch mal erwähnen.
Als der letzte Hund nebst Halter mit Legen und Lesen durch war, fing's pünktlich an zu regnen. Wir machten aus, uns um 19:30 Uhr an besagtem „Sonnenhof“ zu treffen, um zusammen zu Abend zu essen.
Ich glaube, alle hatten am Ende des ersten Fährtentages das untrügliche Gefühl, ihren Hunden ein gehöriges Stückchen näher gekommen zu sein. Und das war nicht das schlechteste Gefühl. Ich und mein Hund – wir sind ein Team.

Über allem Fährtenlesen kam das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. Vor allem am Abend des ersten sowie im gesamten Verlauf des zweiten Tages wuchs die 'Schicksalsgemeinschaft' immer enger zusammen, und wir wurden tatsächlich so etwas wie 'GeFährten' auf einem gemeinsamen Weg.
Bei Prosecco, Bier und sonstigem Nass zu wahlweise Westerwälder Krüstchen oder Micky-Maus-Teller (für die Kleinen und klein Gebliebenen) fiel das ja auch nicht sonderlich schwer.
Sitt, satt und müde haben sich alle gegen 23 Uhr in die Nacht verabschiedet.
Für mich persönlich war der Tag allerdings noch nicht zu Ende...Da waren noch ein paar Würste, die darauf warteten, in fährtenreife Kleinsthäppchen portioniert zu werden. Lang hielt ich allerdings nicht mehr durch. Angeregt durch Armins gleichmäßiges Schnarchen fiel auch ich ohne große Gegenwehr in Morpheus Arme.

Der zweite Tag begann für mich so, wie der erste aufhörte...nämlich mit... Würstchenschneiden!
Danach wollte ich noch schnell vor dem Frühstück mit meinem Racker die erste Runde am Morgen drehen. Auf der vor unseren Apartments liegenden Terrasse traf ich Heike, die offenbar dieselbe Idee mit Momo hatte. Momo klagte wegen der für ihre Verhältnisse vergleichsweise hohen Wurstdosis vom Vortag über eindeutige Verdauungsstörungen, die sich nun unübersehbar ihren Weg nach draußen bahnten.
Doch Momo, immer bestens gelaunt, war so gut wie nichts anzumerken. Quirlig wie eh und je war sie nach wie vor „behende im Gelände“ unterwegs.

Nach dem Frühstück checkten Heike und ich aus unserem Hotel aus und kutschierten zum vereinbarten Treffpunkt. Von dort aus fuhren wir ein kurzes Stück im Korso zu den unwesentlich weiter entfernten Übungsarealen.
Die von Issi bestens vorbereiteten und abgegrenzten Bereiche waren um etliches größer als die des Vortags. Das erweiterte den Spielraum ungemein und kurbelte die Fantasie über die zu tretenden Formen und Figuren mächtig an. Der sportliche Ehrgeiz war geweckt und persönliche Rekorde wurden gebrochen.
Fazit der zwei Tage, falls es so was wie eine Hierarchie der erbrachten Leistung gibt (der Mensch neigt ja dazu, alles und jeden zu bewerten):
Klassenprimus (oder besser –prima, weil weiblich) war mit Abstand Christels Veruschka. Was dieser Hund fährtentechnisch zu leisten imstande ist, geht wahrhaftig auf keine Westerwälder Kuhhaut.
Mit einer durch nichts in der Welt aus ihrer stoischen Ruhe zu bringenden Gelassenheit absolvierte die Berner Sennendame zielsicher ihr Pensum und löste die ihr gestellten Aufgaben geradezu bravourös. Ob über Feld, Wald oder Wiese ...ihr gelang an den beiden Tagen ein Glanzstück nach dem anderen. Das war schon auszeichnungsverdächtig und prämierungswürdig.
Für uns, die dabeistanden und staunten, einfach nur schön, dies mitansehen zu dürfen.
Nicht weniger bemerkenswert die Leistungen von Frieda, die ihren 'Parcours' ähnlich souverän meisterte.
Entlebucherrüde Anton merkte man ebenfalls den Spaß, den er am Schnüffeln hatte, an.
Aber auch die zwei 'Freshdogs' Momo und Armin von der Außenseiter-Beagle-Fraktion schlugen sich fürs erste Mal auf 'Schnupperkurs und Spurensuche' gar prächtig und machten ihre Sache überdurchschnittlich gut.

Gegen 17 Uhr hieß es dann für alle Abschied nehmen. Aufhören, wenn’s am schönsten ist, so heißt es wohl. Bisschen schade und traurig war’s trotzdem, zumal die Runde gerade so richtig warmgelaufen war.
Armin, kaum im Auto, pennte die ganze Rückfahrt im Fond.. (Die letzte Fährte hatte ihn anscheinend vollends geschafft.) Am liebsten hätt' ich's ihm gleichgetan, doch einer musste ja noch – nicht ganz unwesentlich – das Vehikel lenkend nach Hause schaukeln.
Insgesamt ein in vielerlei Hinsicht ebenso erstaunliches wie erkenntnisreiches Wochenende, von dem wir – da bin ich mir sicher – noch lange zehren werden.
Wenngleich der vorliegende Bericht gelegentlich anmutet wie "Mein schönstes Ferienerlebnis", so meine ich indes jedes Wort vorbehaltlos just in demselben Maße, wie ich es gesagt habe.
Für Armin und mich als bekennende Überzeugungs- und Wiederholungstäter steht auf alle Fälle fest, dass wir im Herbst aufs Neue dabeisein werden, wenn es wieder heißt: Missy Issi und die GeFährten – Next Season. ;-)