Ilona Klotz
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Mücke übt Fährtenlesen – Fährtenwochenende Herbst

Eine bunt gemischte Hundeschar (Entlebucher, Berner, große Schweizer und ich als Landseer) traf sich am 1.November bei herrlichem Sonnenschein im Westerwald. Die Menschen hatten Issys Angebot angenommen und wollten erfahren, wie man uns Vierbeinern das Fährtenlesen nahebringen kann. Es soll nur wenige Hunde geben, die dafür wirklich ungeeignet sind, aber ich (Mücke) und meine Menschen haben gelernt, dass auch beim Fährtenlesen Issys Grundsatz gilt: üben, üben und nochmals üben, zumindest für mich. Andere Vierbeiner haben es sehr viel besser hinbekommen.

Aber der Reihe nach. Meine Menschen hatten sich schon im Vorfeld bei Issy erkundigt, was denn alles benötigt wird. Das Wichtigste sind viele, viele kleine Wurststückchen oder andere kleine Leckereien, denen wir Hunde nicht widerstehen können. Damit sollte uns beigebracht werden: Folgst du der Spur mit einem bestimmten Geruch, findest du immer wieder ein Leckerchen.

Die Spur mussten die Menschen für uns Vierbeiner zunächst treten. Für mich Anfänger sollte es eigentlich kein Problem sein, da gab es noch keine Schwierigkeiten, einfach geradeaus, ein Bogen und nochmals geradeaus. Am Ende in geruchsdichter Verpackung eine Belohnung. So hatte es Issy meinem unerfahrenen Frauchen in der Grundeinweisung am Morgen erklärt.

Auf einem großen Feld hatte Issy schon am Abend vorher genügend Bereiche abgesteckt. Jedem Hund wurde ein großes Feld zugelost, und während ich im Auto wartete, legte mein Frauchen eine erste Fährte. Ganz viele kleine, feste Schritte musste sie machen und in jeden 2. oder 3. Fußstapfen ein Leckerchen legen. Der Anfang der Spur war durch einen Abgangsstab gekennzeichnet (damit sie den Abgang später wiederfinden konnte, wenn ich an der Reihe war).

Um mich auf den Geschmack zu bringen, hatte mein Frauchen am Abgangsstab ein Viereck getreten und viele Wurststückchen verstreut. Die Fußstapfen meines Frauchens haben Veränderungen im Boden ausgelöst, dadurch entstehen Gerüche, die ich mit meiner feinen Hundenase aufspüren kann. Also nicht etwa dem Geruch meines Frauchens musste ich folgen, sondern den Aromastoffen, die die beschädigte Bodenoberfläche abgibt.

Nachdem alle Fährten gelegt waren, hatten auch die Menschen Pause und ließen sich Kaffee und Plätzchen in der Sonne schmecken. Die Fährten mussten reifen.

Endlich ging es los. Nur immer ein Hund wurde geholt, wir anderen warteten geduldig und ließen es uns in der Sonne gut gehen. Mein Vorgänger machten das alle prima und die Fortgeschrittenen zeigten meinen überraschten Menschen, wie ein Hund einen in der Spur liegenden Gegenstand verweist: im Stehen, Liegen oder sitzend. Nach der Arbeit (die haben wir Hunde gemacht, denn wir mussten die Fährte ausarbeiten, die Menschen liefen nur hinterher) gab es für die Menschen konstruktive Manöverkritik, wie sie uns besser unterstützen bzw. anleiten können, damit wir das Ziel erreichen, auch schwierige Fährten in unterschiedlichem Gelände erfolgreich finden zu können. Einige Menschen wollten mit ihren Hunden nämlich in der nächsten Zeit an offiziellen Prüfungen teilnehmen, also wurden auch diese Abläufe geübt.

Dann war ich an der Reihe. Zunächst wusste ich nicht, was ich machen sollte. Dann ging es ein paar Schritte, doch irgendwie klappte es nicht richtig, mein Frauchen musste mich immer auf das nächste Stückchen Wurst in der Fährte hinweisen. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen – so Issy – und es gibt nur wenige Hunde, die sich wirklich nicht zur Fährtenarbeit eignen.

Nach dem Mittagessen, mit leckerer Suppe für die Menschen, gab es am Nachmittag einen neuen Versuch. Das ging bei mir zwar schon besser, aber ich erreichte dennoch nur mit Mühe das Ende der Fährte und erhielt meine Belohnung. (Vielleicht hat sich mein Frauchen auch etwas mehr angestrengt, so dass die Spur deutlicher war.)

Am Sonntag trafen sich alle wieder und ich sollte es auch noch einmal versuchen. Aber zunächst sollte Emma zeigen, was sie kann. Am späten Samstagnachmittag hatte ihr Herrchen Andreas noch eine Fährte gelegt, die über Nacht liegen geblieben war. Richtig lang war die Fährte mit vielen Richtungsänderungen. Zielsicher und konzentriert suchte Emma diese Nachtfährte ohne Probleme ab, ein richtiger Profi.

Aber auch die Menschen müssen denken, schließlich sollten sie auch nach einiger Zeit noch wissen, wie sie die Fährte auf einer großen, gleichförmigen Wiese gelegt haben. Wo ist eine Richtungsänderung, wo ist ein Bogen usw.? Da hat jeder seine eigenen Methoden. Die einfachste ist: Die Fährte wird aufgezeichnet, und man schreibt auch die Schritte auf.

Der zweite Tag war kühler und nicht so sonnig, was uns Hunden mit unserem dicken Winterfell ganz recht war. Alle haben ihre Fährten prima gefunden, nur ich muss noch etwas üben. Einer Pferdefährte quer durch den Wald folge ich problemlos (die ist auch fester getreten als die Tritte meines Frauchens). Mein Frauchen wird erst einmal Issys Ratschlag folgen und versuchen, "Wurst mit Fährte zu verknüpfen", und das bedeutet, ich darf bei der Fährtenarbeit etwas vom Boden fressen, was mein Frauchen mir bisher verboten hat. AlIe erfahrenen Teilnehmer am Fährtenwochenende haben mein Frauchen jedoch beruhigt: Mücke wird mit etwas Geduld schon begreifen, dass er in der Fährte Wurst fressen darf.

Es war ein tolle Gruppe (Hunde und Menschen) und ein schönes Wochenende mit vielen neuen Erfahrungen. Ein Dank an alle, die Issys Arbeit unterstützen, die Wiese zur Verfügung stellen oder die Suppe zu den hungrigen Teilnehmern bringen, von der wir Hunde auch gerne einmal kosten würden.

Ich werde noch etwas üben müssen und, wenn Issy einverstanden ist, noch einen zweiten Versuch machen.

Euer Mücke





Ich möchte mich ganz besonders bei Gudrun und Kalle bedanken, dass wir wieder dieses wunderbare Gelände benutzen durften! Für Ihr Verständnis danke ich den beiden Jagdpächtern aus Roßbach und Elgert.

Ilona Klotz