Ilona Klotz
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September 2013

Ronny trat in unser Leben

Eines Tages, ich war mit unseren drei Bernern unterwegs, hielt ein Auto neben mir und ein junger Mann kam auf uns zu. Ich kannte ihn vom Sehen und wußte, dass er seit einigen Monaten einen Berner hatte.

Er stürzte sich auf Caspar, Caramba und Leika und dann erzählte er mir, dass er auch einen Bernerrüden hätte, namens Ronny. Wir kamen ins Gespräch und dabei hörte ich heraus, dass hier einiges gewaltig schief lief. Er vertrat ernsthaft die Meinung, dass sein Hund nicht viel Auslauf bräuchte. Er und seine Frau kamen in ihrer Wohnsiedlung oft am Haus einer Bernerzüchterin vorbei, deren Hunde immer, wenn sie am Haus vorbei kamen, im Garten oder Hofraum lagen. Also dachten sie, dass die Sennenhunde keine Spaziergänge bräuchten, da sie auch gelesen hatten, dass der Berner früher als Hofhund gehalten wurde. Von den drei Gängen, die die Züchterin jeden Tag mit ihren Hunden unternahm, bekamen sie halt nichts mit.

Ich war entsetzt und versuchte, ihm klar zu machen, dass auch ihr Hund längere Spaziergänge bräuchte und mal von der Leine müßte, damit er sich richtig austoben könnte.

Nein, von der Leine wollte der junge Mann seinen Rüden nicht lassen, zu groß war die Angst, Ronny würde abhauen, denn Erziehung hatte der Bursche bis dahin nicht genossen.

Als dann die nächste Ausrede vom Hundehalter kam, dass sie für große Spaziergänge keine Zeit hätten und wie das überhaupt alles ablaufen sollte, wurde ich richtig sauer und schlug vor, den kleinen Kerl besser gegen ein Steiftier einzutauschen. Das hatte wohl gesessen, denn nun überlegte er laut, wie er verhindern könnte, dass sein Hund abhaut und immer wieder zu ihm zurück kommt.

Ich schlug vor, dass er sich mit anderen Hundehaltern verabreden sollte, deren Hunde gehorchten und dann würde sein Ronny bestimmt bleiben und mit den anderen Hunden zu ihm zurück kommen.

Ja - Sie ahnen, wen er fragte. Richtig, er wollte wissen, wann ich morgens ging. Kurzfristig hatte er wieder einen Rückzieher parat, denn die Zeit - 6.20 Uhr - schien ihm unmöglich zu sein. Ich blieb hart und was soll ich sagen, von da an stand er immer pünktlich am Rodderberg und wir drehten über viele, viele Jahre, Morgen für Morgen unsere Runden.

Die Mittagsrunde drehte von nun an seine Frau mit meinem Mann und allmählich bekam Ronny eine richtig gute Kondition. Er war ein netter Kerl, war lustig, tobte mit Leika über die Wiesen, hörte, wenn er wollte und wog in seiner besten Zeit 58/59 kg. Leika und er waren sich sehr ähnlich, beide hatten einen enormen Dickkopf und es verband sie in den kommenden Jahren eine richtige, innige Hundefreundschaft.