September 2011
Das traurige Ende von Arko
Arko war immer häufiger am Wochenende bei uns und verlor immer mehr seine Hemmungen gegenüber Haus, Hof, Scheune und Garten. Auch während der Woche machte er Ausflüge zu unserem Haus und schaute, ob wir schon dort waren oder brachte seine „Beute“ bei uns im Garten in „Sicherheit“.
In der Zwingeranlage hielt er sich kaum noch auf.
Irgendwann kam ich mit Kamm und Bürste nicht mehr durch seinen schwarzen Pelz. Am ganzen Körper waren richtige Filzplatten, die kleinsten Platten waren so groß wie eine Männerhand.
Handlungsbedarf war gefragt und so machte ich mich an eine Arbeit, die an mehreren Wochenenden einen Großteil meiner Zeit in Anspruch nahm.
Mit einer Stickschere „trennte“ ich die Filzplatten Haarreihe für Haarreihe ab. Platte für Platte löste sich vom Körper. Er lag vor mir mit einer Engelsgeduld, drehte sich, wie ich es brauchte und ich hatte den Eindruck, dass er sich immer befreiter fühlte. Zwischendurch sah er wie ein Schaf aus, das gerade sein Winterfell verliert, denn nach jedem Wochenende waren die Löcher in seinem Pelz größer geworden.
Dann endlich, nach vielen Sitzungen, war Arko fertig. Er war ganz kurz geschoren und sah um Jahre jünger aus. Er sprang rum wie ein junger Hund und schien das neue „Sommerkleidchen“ zu genießen.
Bis zum Winter war das Fell dann wieder so lang, dass es ihm genügend Schutz vor Eis und Schnee bot, denn er liebte es, sich einschneien zu lassen.
Arko hatte sich in etlichen Jahren von einem recht stumpfsinnig schauenden, unsicheren Hund in einen interessierten, lustigen und bedingt selbstbewussten Burschen verwandelt.
Dann kam eines Tages ein trauriger Anruf von unserer Freundin. Arko war auf dem Weg zu oder von uns, vor dem Haus der Freunde, von einem Auto angefahren und so schwer verletzt worden, dass der Tierarzt ihm nicht mehr helfen konnte.
So waren ihm seine Freiheitsliebe, die Liebe zu uns und seine Selbstständigkeit zum Verhängnis geworden.
Nachdem Arko die Regenbogenbrücke gegangen war, holte ich vom Bauernhof bei uns gegenüber, den Kettenhund Rex zu Spaziergängen. Ein typischer Hofhund, grantig, wachsam und er ließ außer seinem Herrn, niemanden an sich heran.
Ein stattlicher Deutsch-Drahthaarrüde, der sich mir anfangs gegenüber nur deshalb etwas zurückhaltend benahm, weil er gespannt war, was ihm mit mir zusammen passieren würde. Aber schon als ich ihn zum zweiten Mal abholte, freute er sich als ich auf dem Hof erschien, und ich konnte ihn selber von der Kette ab machen.
Auf den ersten Spaziergängen machte er nur sein Ding, ich ging ihm am Gesäß vorbei und wenn ich eine andere Richtung einschlug als er, blieb er stehen und knurrte mich finster an. Dann packte ich ihn am Halsband und zog ihn wie einen alten Karrengaul mit mir, seinen Protest ignorierend.
Kam ich am Wochenende auf den Hof, war seine Freude immer riesig groß.
Erwähnungswerte Situationen sind mir mit Rex nicht in Erinnerung geblieben, nur dass er immer anhänglicher und freundlicher wurde. Eines Morgens fand ihn sein Herrchen tot vor der Hütte liegend. Immerhin war Rex 12 Jahre alt geworden und hatte in den letzten Monaten seines langen Hofhundlebens etwas Freiheit kennen lernen dürfen.
Unmittelbar nach dem Ableben von Rex trat Asso, ein Berner-Sennenhund, in mein Leben.









