Oktober 2011
Die Suche nach einem vierbeinigen Begleiter
Mein Mann und ich wohnten damals noch im Ruhrgebiet, in Bochum. Irgendwann ging ich auf eine Halbtagsstelle, und da wir in einer relativ kleinen Wohnung in einem Hochhaus lebten, waren meine Nachmittage nicht ausgefüllt.
Stadtbummel hasste ich und Spaziergänge ohne Hund waren mir ein Gräuel. Es fehlte mir ein vierbeiniger Begleiter, denn auch im Westerwald waren wir nach dem Tod von Rex erstmals, seit vielen Jahren, ohne Hund.
Auf dem Weg zur Dienststelle kam ich morgens und mittags immer an einer Gastwirtschaft vorbei, wo sehr oft ein wunderschöner Bernerrüde vor der Tür, auf dem Bürgersteig, lag.
Der Sohn der Wirtin wohnte bei uns im Haus, und eines Tages sprach ich ihn an, denn ich wusste, dass sein Vater vor kurzer Zeit verstorben war, der sich immer um den Hund gekümmert und Spaziergänge mit ihm gemacht hatte.
Mit Sicherheit hatte niemand im Betrieb Zeit, mit dem Berner ausgedehnte Spaziergänge zu unternehmen. Der Sohn war sofort Feuer und Flamme und wollte am nächsten Tag mit seiner Mutter reden.
Nun ja, die Tage vergingen, 2-3 Wochen gingen ins Land, ich sah den Junior nicht mehr und hörte auch nichts von ihm. Also rief ich endlich selber seine Mutter an und fragte, ob ich ihren Bernerrüden wohl regelmäßig ausführen könne.
Es gab eine glatte Absage, denn angeblich hatte sie jemanden, der mit dem Hund Spaziergänge machte.
Etwas enttäuscht bedankte ich mich und sah mich anderweitig um. Dann traf ich eines Tages doch wieder den Sohn, und bei meinem Anblick fiel ihm ein, dass er ja seine Mutter wegen des Ausführens hatte fragen wollen, was er nun umgehend nachholen wollte.
„Das können Sie sich sparen, ihre Mutter will nicht, weil sie eine zuverlässige Person hat“, sagte ich ihm. Seine Antwort lautete, „so ein Quatsch, lassen Sie mich nur machen“.
Zwei Tage später sollte ich mich bei seiner Mutter vorstellen, was ich natürlich mit Freuden tat. Die Wirtin war voller Misstrauen und fragte, ob ich mir so einen großen Hund denn zutraue und ob ich schon mal einen Hund gehabt hätte. Es folgten einige Auflagen, denen ich natürlich sofort zustimmte, denn ich wollte unbedingt mit dem freundlichen Berner, namens Asso, Gassi gehen.
Trotzdem musste ich mich noch einige Tage gedulden, da sie sich Bedenkzeit erbat.
Und dann kam endlich die Zusage, und eine halbe Stunde später stand ich in der Wirtschaft. Von da an holte ich Asso regelmäßig an den Wochentagen ab, denn er durfte nur mit, wenn sein Frauchen zu Hause war. Immer häufiger drehten wir auch abends noch mal eine Runde um den Kemnader Stausee.
Sobald ich die Wirtsstube mit einem „Hallo“ betrat, kam Asso aus dem, hinter dem Schankraum gelegenen, Raum hervor geschossen, und einige Male flogen Gläser aus den unteren Schränken auf den Boden und gingen zu Bruch, weil seine Rute einen regelrechten Trommelwirbel vollzog.
Schlimm für ihn und uns waren immer die Wochenenden, denn er musste in Bochum bleiben und wir waren im Westerwald. Wenn ich ihn dann montags wieder abholte, tobte der Bär. Er war kaum zu beruhigen, und ich sah immer zu, dass ich schnell aus der Wirtsstube kam.
Langsam aber sicher übernahm ich immer mehr, Fellpflege, Tierarztbesuche und die Erziehung eines ungeschliffenen Diamanten.
Wir waren eines Tages in einem Gelände unterwegs, wo es Tümpel und viel Sumpfgelände gab. Auf einmal war mein Asso weg, und erst nach mehrmaligem Pfeifen teilte sich das Schilf und er kam aus einem „Teich“ (wie ich glaubte) auf mich zu.
Aber – das war nicht mein Asso, ein total schwarzer Hund steuerte auf mich zu. Ich rieb mir die Augen – doch das musste er sein. Dann war er bei mir und – es war mein Asso! Er stank wie die Pest und es gab keine, wirklich keine weiße Stelle mehr an ihm. Er war im Morast „baden“ gegangen.
Zum Glück hatte ich eine alte Decke im Kofferraum, nur leider hatte ich nach dem Spaziergang einen dringenden Termin.
Den entsetzten Blick seines Frauchens beim Anblick ihres Hundes werde ich mein Leben lang nicht vergessen. Ich versprach ihr, sofort nach dem Termin wieder zu kommen, um Asso zu waschen. Natürlich hielt ich mein Wort, auch wenn Asso von der „Wäsche“ überhaupt nicht begeistert war. Schnell hatte ich äußerlich wieder einen Berner, aber nach Modder hat er noch tagelang gestunken.







