Ilona Klotz
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Oktober 2012

Nein, fein; nein, prima….!

Eine aufregende Zeit begann mit dem Einzug unseres Caspars. Er war ein entzückender Kerl, steckte aber voller Entdeckungsgeist. Besonders die Gartengestaltung lag ihm am Herzen. Allerdings wich die sehr von unseren Vorstellungen ab. Überall entstanden Löcher, in den Beeten, auf dem Rasen, Zwiebeln von Frühlingsblühern lagen verstreut auf der Erde. Sah ich ihn nicht, wurde ich schon unruhig und durfte sicher sein, irgendetwas stellte er wieder an.
Alles musste probiert werden und zur Haus- oder Gartenarbeit kam ich nur, wenn er endlich mal schlief.
Erfreulich war, dass er nachts nicht raus musste. Wenn wir spät am Abend und morgens direkt mit ihm raus gingen, hielt er nachts wirklich ein. Aber am Tag ging mancher Bach in die Wohnung. Vor allem, wenn ich ihn nach dem Fressen nicht schnell genug ins Freie ließ, dann ließ er es einfach laufen.

Froh war ich, wenn abends mein Mann nach Hause kam, denn dann konnte ich endlich mal wieder ganze Sätze reden und nicht wie den ganzen Tag über zu Caspar „nein – prima; lass’ das – fein; aus – toll….!“ Diese drei Ausrufe wiederholten sich in den ersten Monaten wirklich von morgens bis abends.
An alles in der Wohnung wollte er dran. Also standen überall Wasserspritzen, die wahre Wunder bewirkten. Ein scharfes „NEIN“, unterstützt durch einen Wasserstrahl, und z.B. unsere Schuhe in der Diele waren tabu. Dafür fraß er irgendwann mal panisch meinen Ficus benjamini unten herum fast kahl, weil es ihm aus irgendeinem Grunde fürchterlich übel war und er zur Magen- und Darmreinigung etwas Grünes brauchte. Ich bügelte gerade in der Küche, als ich durch seltsame Schmatz- und Raschelgeräusche aufmerksam wurde und ihn dann im Wohnzimmer die Blätter abreißen sah.
Von da an ließ ich immer im Garten ein Stückchen Rasen lang wachsen oder es stand Katzengras auf der Terrasse.

Bei unseren Spaziergängen musste ich höllisch aufpassen, denn ständig kaute der kleine Kerl auf irgendetwas herum. Meistens fand er alte, ausgespuckte Kaugummis. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir noch nie aufgefallen, wie viele Kaugummis in der Gegend herum lagen. Irgendwann hatte ich Caspar dann aber so weit, dass er mit mir ein Tauschgeschäft einging – Kaugummi gegen ein tolles Leckerchen – und von da an brauchte ich ihm diese fiesen Dinger wenigstens nicht mehr aus dem Maul zu holen.

Es war eine aufregende, stressige, aber auch wunderschöne Zeit, die wir mit unserem lustigen Bären verbrachten. Ich genoss es, dass er sich so schnell an uns anschloss und immer sehr schnell wusste, was ich wollte oder auch nicht. Er fuhr schrecklich gerne im Auto mit, und wenn wir uns mit meiner Freundin und ihrem Bernerrudel trafen, war er so richtig der Hahn im Korb.

Bei aller Achtsamkeit bekam ich trotzdem nicht immer alles mit, was der Kleine so aufnahm. Ich weiß noch, wie wir im Westerwald abends in unser Schlafzimmer kamen, die Lampen beleuchteten den Raum etwas sparsam, und Casparle wie ein Häufchen Elend in einer Ecke stand und fürchterlich würgte. Auf einmal lag ein schwarzes, relativ langes Etwas vor seinen Füßen, und ich sagte: „Oh je, hat er etwa einen Maulwurf gefressen?“ Erkennen konnte ich nichts und anfassen mochte ich das Teil auch nicht. Also holte mein Mann eine Taschenlampe und in deren hellem Lichtschein stellte sich heraus – es war ein Socken meines Mannes…!

Überall nahmen wir unseren Welpen mit hin, was für ihn manchmal Stress pur war. Ich weiß noch, dass wir ins Altstadtcenter in Bad Godesberg mussten, und während ich im Innern der Krankenkasse meine Sachen erledigte, wartete mein Mann draußen vor dem Eingang mit unserem Kleinen. Der saß ganz brav neben seinem Herrchen, hatte alles im Blick, ließ sich von verzückten Passanten streicheln und freute sich ausgelassen, als ich wieder zu den beiden kam. Als er aufstand, mussten wir herzhaft lachen, waren da doch richtig feuchte Fußstapfen auf dem Marmorboden zu sehen, und seine Pfoten waren vor lauter Aufregung richtig nass.

Nach solchen Stadtgängen war er hinterher immer völlig fertig mit der Welt und fiel zu Hause ins Koma, worüber wir nicht traurig waren.