Ilona Klotz
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November 2012

Der Fährtenvirus

Caspar hatte sich hervorragend eingelebt, kam mit unserem Kater klar und wenn wir am Wochenende im Westerwald waren, dann fand er es immer ganz spannend und aufregend, wenn mehrere Katzen am Abend vor unserer Tür ihr Futter bekamen. Das war wohl das Sandmännchen für unseren lustigen Bären, Kinderfernsehen pur.

Ich glaube, der kleine Kerl war inzwischen 4 ½ bis 5 Monate alt, als uns meine Freundin und Züchterin von Caspar im WW besuchen wollte. Sie reiste mit seiner Mutter Paulinchen, dem Onkel Jonathan und seiner Schwester Carlotta an. Meine Freundin war so begeistert von dem herrlichen Gelände, dass sie für ihre Hunde Fährten legen wollte. Ich ließ mir einiges erklären und dann legte ich auch für meinen Kleinen eine Fährte. Nachdem er sich ein wenig eingesucht hatte, war er mit großer Begeisterung bei der Sache. Natürlich blieb es an diesem Wochenende nicht bei der einzigen Fährte. Auch in Zukunft legte ich bei jeder Gelegenheit Fährten für ihn und er war immer mit großem Eifer bei der Sache und wir hatten beide richtigen Spass daran.
Eins war mir bald schnell klar geworden, wir waren infiziert, infiziert mit dem Fährtenvirus.

Neben der Sucherei zeigte Caspar eine weitere Leidenschaft. Er trug, wie schon Asso, leidenschaftlich gerne Sachen, Körbchen, Zeitungen, Tüten oder Taschen.
In der Pilzsaison stapfte der kleine Kerl mit uns durch die Wälder; waren wir länger in einem Waldstück beschäftigt, legte er sich zwischendurch einfach ins Laub, machte sich lang und schlief tief und fest, bis es weiter ging.
Auf dem Weg zurück zum Auto wollte er dann unbedingt einen Pilzkorb tragen. Leider ging das meistens nur ein kurzes Stück gut, denn immer wieder bog er vom Weg ab, ging in den Graben und ließ dann einfach den Korb los. Der kippte um und wir durften erneut die Pilzbeute einsammeln. Ich muß gestehen, mein Mann gab ihm immer seinen Korb und sammelte dann mit unendlicher Geduld immer und immer wieder die raus gefallenen Pilze in den umgekippten Korb - man durfte dem Casparle doch nicht seine Freude nehmen!

Im Winter machte Caspar die Horrorerfahrung seines Lebens mit Wasser.
Wir waren bei Eis und Schnee im Wald unterwegs und unser kleiner Berner lief fröhlich vor uns her. So kam er auch vor uns an einen zugefrorenen Löschteich und da er neugierig und völlig unbedarft war, verließ er den Weg und lief auf das Eis und kaum hatte er das Eisufer betreten, da brach er auch schon ein. Das Ufer war so flach, das er nicht untergehen konnte, aber er hatte so einen Schreck bekommen, das er laut schreiend ans Ufer hechtete und sich zunächst kaum beruhigen ließ. Mein Mann zog seine Weste aus und frottierte den kleinen Kerl so gut es ging, trocken, packte ihn dann darin ein und trug ihn zum Auto.
Von diesem Tag an ging Caspar nur noch mit den Füssen ins Wasser.