Ilona Klotz
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Mai 2014

In der Fährte - Schwein gehabt!

Sonntagmorgen - es versprach wieder einer von diesen herrlichen Sonnentagen zu werden, die wir in diesem Herbst so reichlich hatten. Gleich nach dem Frühstück fuhr ich ins Gelände, um für Caspar und Caramba je eine große Fährte zu legen. Einen Acker, auf dem gerade der Senf aufging, außerhalb des Dorfes gelegen, durfte ich benutzen und konnte mich auf der riesigen Fläche mit der Fährtenlegerei so richtig austoben. Drei Hasen fühlten sich gestört, gaben Fersengeld  und 2 Rehe zogen sich unauffällig in den Wald zurück.

Nachdem ich auf dem Acker hin und her, spitze Winkel, Halbkreise, lange Schenkel gelegt hatte, zog es mich zum Ende hin auf einen Wiesenweg, der zwischen dem Feld und einer eingezäunten Weide entlang führte, an deren Ende ein Hochstand vor einem halbhohen, ganz dichten Fichtenwald stand, an dem ich noch ca. 15 m  meine Fährte entlang legte, um dann nach einem letzten Winkel in einer weiteren Weide den Endgegenstand zu legen.

Diese Schilderung war notwendig, damit Sie sich eine Vorstellung meiner nachmittäglichen Gefühle machen können. Nach 4 Stunden war es soweit, Caspar durfte als erster suchen. Mit seinem gewohnten Schwung ging es los und er arbeitete die am Hang hoch gehende Fährte aus. Alles lief prima und dann verwies er den auf der Höhe liegenden Gegenstand. Super, ich lobte ihn und da er es bisher nicht so einfach hatte, wollte ich ihn etwas länger liegen lassen, um die Ruhe und die herrliche Ecke im vollen Sonnenschein so richtig zu genießen. Meine Augen wanderten zu dem in Verlängerung von Caspar gelegenen Waldrand und den Hochsitz und ich erkannte zwei Hasen, die sich auf dem Feld davor bewegten. Mein Blick wanderte weiter, als mich ein plötzlicher Zweifel zurückblicken ließ, Hasen – nein, so bewegen sich doch keine Hasen!?

Da erkannte ich es! Drei Frischlinge waren es, die da im wärmenden Sonnenlicht nach Futter suchten. Im ersten Moment wollte ich meinen Caspar nehmen und fluchtartig die Fährte verlassen, denn ich war mir sicher, wo Frischlinge sind, ist die Bache nicht weit. Auf diese Begegnung konnte ich gut verzichten, zumal meine Fährte genau da drüben zum Endgegenstand führte. Ferner war mir noch sehr gut die schmerzhafte Begegnung meiner Leika mit einem Wildschwein in Erinnerung – was sollte ich tun?

Meine Gedanken überschlugen sich, ich atmete erst einmal tief durch! Knapp ein Drittel der Strecke hatten wir erst hinter uns. Nein, meine Gegenstände wollte ich nicht einfach aufgeben.
Krach ist immer gut, dachte ich mir, vor allem wenn die Distanz groß genug ist und die Bache die Möglichkeit zur Flucht hat. Also ließ ich Caspar erst einmal ordentlich „Laut“ geben. Etwas verständnislos schaute er mich an, denn das hatte es noch nie gegeben, dass er in der Fährte bellen sollte, aber dann legte er ordentlich los, was die Frischlinge leider nicht wirklich beeindruckte und auch nicht vertrieb. Nun war ich gefragt, Caspar wurde wieder angesetzt und ich zog im Wechsel laut hustend, singend und pfeifend hinter ihm her. An der eingezäunten Weide angekommen, schlug ich dann zusätzlich noch mit voller Wucht mit meiner Kladde auf jeden Weidepfosten und - von den Schweinen war nichts mehr zu sehen!
Ich hoffte nur , dass mich niemand in dieser Fährte beobachtet oder gehört hatte, mein Rüde zeigte sich durch mein Lärmen überhaupt nicht beeindruckt und ich konnte hinterher sagen – Schwein gehabt!!!