Ilona Klotz
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Mai 2013

Unsere ersten Fährtenprüfungen

Die Nacht vor unserer ersten Fährtenprüfung war furchtbar. So glücklich ich über die beiden bestandenen Gehorsamsprüfungen war, so sehr fürchtete ich die Fährtenprüfung, zumindest bei meinem Caspar. Was mache ich – wenn…? Ich wusste genau, er suchte hervorragend, ich wusste ebenfalls genau, er verwies keinen Gegenstand, und ich wusste ferner, ich musste mich konzentrieren und meinen Rüden lesen. Denn am Gegenstand musste ich reagieren – und zwar schnell.
Ob das alles so gelingen würde? In der Nacht werden Mücken zu Elefanten und genau das passierte bei mir. In der Nacht war ich noch fest entschlossen, für meinen Caspar am nächsten Morgen die Meldung zurückzuziehen.

Der Morgen kam und – ich war mir sicher, wir schaffen das!

Zuerst musste ich mit Caramba starten, an deren Prüfung habe ich keine Erinnerung mehr, also denke ich, dass alles völlig unspektakulär verlief und sie am Ende bestanden hatte, denn sie verwies die Gegenstände und suchte ruhig und sehr gelassen.

Ich sehe das Gelände von Caspars Fährte noch vor mir: ein Hügel. Links ging es den Berg hinauf, langer Schenkel, dann ein rechter Winkel nach rechts und irgendwo lag der erste Gegenstand.
Berg hoch – kein Problem, Caspar hatte die Nase tief und suchte sicher. Rechter Winkel, gut genommen, dann ging es weiter und dann – da, da war die kleine Verzögerung, ich ließ die Leine fallen und lief zu meinem Fährtenhund. Jawohl, da lag der Gegenstand und Caspar blieb brav stehen. Er durfte ja im Sitzen, Liegen oder Stehen die Gegenstände anzeigen.
Ich riss den Gegenstand hoch und zeigte ihm den Richter. Der winkte und weiter ging’s.

Den Rest der Geraden suchte Caspar wieder hervorragend ab, zweiter rechter Winkel, es ging den Berg wieder runter. Irgendwo musste da der Endgegenstand liegen. Fest hatte ich meinen Rüden im Blick und da, ja, da war wieder seine minimale Verzögerung. Ich ließ die
10 m Leine fallen, und so schnell ich konnte, rannte ich zu Caspar.

Ja, da lag der Gegenstand vor seinen Vorderbeinen, hoch damit und dem Richter gezeigt.
Zum Glück blieb auch hier Caspar wieder am Fleck stehen, denn wäre er weiter gegangen, hätte das Punktabzug bedeutet.

Geschafft, wir hatten unsere erste Fährtenprüfung hinter uns gebracht. Ich ging mit meinem Caspar in Richtung Zuschauer und unterwegs gesellte sich der Richter zu uns.
Er grinste, sah mich von der Seite an und fragte: „Was wäre gewesen, wenn sie nicht so schnell zu ihrem Hunde gelaufen wären?“ Ich versuchte, ihn erstaunt anzuschauen, zuckte die Schultern und sagte: „Nichts – bin ich gelaufen, das war mir gar nicht so bewusst!“

Was soll ich sagen, wir, Caspar und ich, hatten unsere erste Fährtenprüfung bestanden, und das war der Moment, wo ich vom Prüfungsvirus so richtig infiziert worden war.

Von nun an nahmen wir regelmäßig am jährlichen Fährtenpokal in Hünxe und an anderen Prüfungen unseres Vereins teil.