Juni 2011
Arko - Siiiitz!!!
Wie schon erwähnt, zählte Arko anfangs nicht unbedingt zu meinen Lieblingshunden, einfach, weil man mit ihm nichts machen konnte. Klar, der Arme konnte eigentlich nichts dafür, aber es machte den Umgang mit ihm auch nicht unbedingt lustiger. Glück hatte er halt, dass ich Anja wirklich gerne zu Spaziergängen holte.
Einen meiner ersten Ausflüge mit Anja und Arko zusammen, führte mich dummerweise über die Dorfstraße. Friedlich lief Anja neben mir her, während Arko ständig hektisch und unsicher nach allen Seiten sicherte. Zunächst ging aber alles gut, bis ein Motorrad von hinten angefahren kam. Da gab Arko Fersengeld und wie in einem Witzfilm sprang er nicht nur zur Seite, sondern auch nach vorne und ich hing voll vor einem Verkehrsschild. Anja auf der einen und Arko auf der anderen Seite. Junge, ich hätte im Erdboden versinken mögen, schaute mich betreten um und war erleichtert, dass dieses Missgeschick wohl niemand beobachtet hatte.
Nach meiner „Verkehrsschildumarmung“ wählte ich fortan immer den direkten Weg vom Hof, raus in die Felder. Wenn ich beide Hunde von der Leine ließ, blieb Anja immer an meiner Seite oder in unmittelbarer Nähe von mir.
Nicht so der Neufi. Kaum war die Leine ab, setzte er sich in Bewegung und lief, und lief, und lief. Zum Glück kannte Arko die „Sitzübung“. Also brüllte ich aus vollem Halse über die Äcker – „Arko Siiiitz“ und Sie werden es nicht glauben, er setzte sich! Leider aber da, wo er gerade stand oder ging und das war halt nie in meiner Nähe. Sie glauben nicht, wie oft ich unter oder über Weidezäune gekrochen und geklettert bin und in Felder reinlaufen musste, um ihn wieder anleinen zu können. Keinen Meter rührte er sich vom Fleck, sondern wartete geduldig, bis ich ihn erreicht hatte.
Irgendwann reichte es und mir war klar, entweder ändert sich hier etwas oder Arko bleibt demnächst im Zwinger.
Also begann ich mit Richtungswechseln, immer und immer wieder. Das Ziel der Spaziergänge waren nicht mehr ferne Orte, sondern endlose Übungen, das, was ich Ihnen in den Kursen empfehle, Richtung antäuschen und wenn der Hund denkt, ja, prima, hier geht es entlang, umdrehen und andere Richtung gehen oder laufen. Langsam, ganz langsam schnallte Arko, dass es nicht mehr nach seinen Vorstellungen ging. Ich weiß heute nicht mehr, wie lange ich diese Übungen exerziert habe, aber ich kann mich noch gut an die Gräben erinnern, in die ich mich geschmissen habe, weil kein Baum, kein Strauch auf dem Feld war und ich in volle Deckung gehen musste. Manchmal kam ich nach Hause und sah aus, als sei ich durch Suhlen gerutscht. Was half es, ich musste halt verschwinden wenn Arko sich seiner Sache sicher war, egal wie. Ätzend waren diese Spaziergänge, Weg antäuschen, umdrehen, entgegengesetzt weg rennen. Direkt noch einmal, neue Richtung ansteuern, Arko kam vorbei gerannt – umdrehen, entgegengesetzt weg rennen. Nun war er sich seiner Sache sicher, kam erneut vorbei gerannt – also schmiss ich mich auf den Boden.
Geschrieben ist das schnell, aber es war ein sehr, sehr langer, mühsamer Zeitraum, wo ich wirklich permanent diese Übungen abgezogen habe.
Leider, leider starb Anja sehr früh, ich weiß nicht mehr woran, aber nun war Arko alleine und fieberte noch mehr unseren „Ausflügen“ entgegen.
Er hatte eine ungeheure Kraft in seinen Vorderpfoten und grub sich regelmäßig unter dem Zaun aus der Zwingeranlage. Dann saß er außerhalb des Zwingers und wartete auf mein Erscheinen.
Da Fiffi, Knolle und Anja die Regenbogenbrücke gegangen waren, nahmen mein Mann und ich Arko zusammen mit Schmitz auf Spaziergänge mit. Ja, und irgendwann hatte er es tatsächlich gerafft – in jeden Weg ging er höchstens 5 m vor, schaute ständig über die Schulter zurück oder blieb stehen um zu prüfen, ob wir auch kämen. Irgendwann kam er sogar auf Pfiff oder Ruf zu mir zurück.
Inzwischen war mir dieser Dickschädel von Neufundländer auch richtig ans Herz gewachsen und ich freute mich über die Erziehungsfortschritte.








