Juli 2010

Rolf der Airdaleterrier

Rolf war ein großer, stattlicher Airdaleterrierrüde, der ca. 3 oder 4 Jahre alt war, als ich sein Frauchen und ihn kennen lernte. Große braune Knopfaugen schauten einen aus einem wuscheligen Pelz an, er war temperamentvoll und ein pfiffiger Kerl.

Lump 1 mußte eingeschläfert werden und so holte ich jeden Tag nach der Schule Rolf bei seinen Menschen ab. Sein Frauchen war mit der Pflege ihres schwer kranken Mannes voll ausgelastet und konnte sich nicht um den Hund kümmern, sodass er oft alleine durch die Gegend zog, da sie ihn einfach raus ließ.
Rolf war von nun an mein ständiger Begleiter.

Egal, ob meine Freundinnen und ich uns unten am Rhein aufhielten, schwimmen gingen oder in die Stadt fuhren, Rolf war dabei. Oft passierte es, dass ich länger mit den Schularbeiten beschäftigt war, dann hörte ich vor dem Haus ein kräftiges Bellen und - Rolf stand vor dem Gartentor. Auf einmal war ich ganz schnell mit den Schularbeiten fertig, nahm meine Leine vom Harken (ich hatte eine eigene Leine zum Geburtstag bekommen) und sauste die Treppen runter. Auch morgens saß mein vierbeiniger Freund oft vor dem Haus um mich auf meinem Schulweg zu begleiten.

 

Ich ging zu diesem Zeitpunkt in Königswinter zur Schule und wurde morgens von zwei Schul- und einem Klassenkameraden mit den Fahrrädern abgeholt.
Gemeinsam radelten wir dann zur Fähre, Rolf begleitete uns bis zum Anlegesteg. Dann schickte ich ihn nach Hause und er trollte sich gen Heimat.
Natürlich hatten das die Fährleute schon länger beobachtet, als eines Tages, Rolf hatte ich gerade verabschiedet, wir radelten auf dem Anlegesteg zum Schiff, als einer der Kassierer, mit einem breiten Grinsen im Gesicht auf der Auffahrklappe stehend, einen Schuss aus einer Schreckschusspistole abfeuerte.
Ich traute meinen Augen nicht, Rolf blieb kurz stehen, schaute zu uns rüber und kam dann im gestreckten Galopp, zornig und laut bellend auf die Fähre gerast.
Als der Schütze den sich rasch nähernden Hund bemerkte gab er Fersengeld, rannte zum Eingang vom Maschinenraum, riss die Tür auf, schlug sie hinter sich zu und - schloss ab!
Er kam erst wieder hervor, als er merkte, dass wir ablegt hatten.
Rolf hatte ich beruhigen können und dann erneut nach Hause geschickt.
Von da an versuchte der Kassierer nie wieder einen üblen Scherz gegenüber dem Hund und wenn ich mit meinen Eltern und Rolf mal mit der Fähre nach Königswinter fuhr, machte der „Schütze“ immer einen großen Bogen um uns herum.