Ilona Klotz
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Juli 2013

Leika, die Powerjette

Leika lebte sich schnell bei uns ein. Sie war eine temperamentvolle Powerjette, die gerne mit Caspar und Caramba um die Wette rannte und keiner Toberei mit anderen Hunden aus dem Wege ging.

Aber sie hatte auch einen richtigen Dickkopf. Wollte ich immer gerne mal einen „starken“ Rüden haben, Leika ersetzte mir in ihrer besten Zeit 3 Rüden.

Das zeigte sich schon einige Wochen, nachdem sie zu uns gekommen war. Wir hatten damals noch eine Limousine, den Fußraum vor der Rückbank hatte ich mit dicken Kissen ausgepolstert, damit die 3 Hunde eine größere Sitzfläche zur Verfügung hatten. Ich war mit den Hunden zum Waldrand gefahren, machte die hintere Tür auf und die Drei sollten aussteigen. Caspar und Caramba – kein Problem. Leika blieb auf der Rückbank sitzen und als ich sie am Halsband rausholen wollte, knurrte sie und schnappte nach meiner Hand. So schnell wie ich sie an der Halskrause gepackt und aus dem Wageninnern rausgezogen hatte, konnte sie gar nicht gucken. Danach hat sie sich nie wieder geweigert, bei Aufforderung den Innenraum des Wagens zu verlassen.

Wenn die Hunde ins Auto einsteigen sollten, mußte Leika immer, aber auch wirklich anfangs immer, noch etwas ganz wichtiges schnuppern oder schauen. Ich konnte rufen, locken, irgendwann kam sie dann im Zeitlupentempo an und stieg ein. Bis mir das zu bunt wurde. Wir hatten am Waldrand geparkt und als sie uns wieder mal „vertröstete“, stieg ich ein und fuhr davon. Natürlich beobachtete ich sie im Rückspiegel und zunächst stand sie da, als könnte sie es gar nicht fassen. Dann setzte sie sich recht rasch in Bewegung und spurtete hinter dem Wagen her, den ich aber bald wieder stoppte, die Seitentür öffnete und schon saß sie neben den Geschwistern. Von da an war sie meistens als erster Passagier im Auto.

Oft erinnerte ich mich an die Sätze ihrer Vorbesitzer: Hündinnen sind leichtführig, Berner erziehen sich von alleine und man braucht auch nicht viel mit ihnen spazieren zu gehen, denn sie liegen die meiste Zeit des Tages am Haus oder im Hof herum.

Komisch, bei unserer Leika trafen alle diese Vorhersagen absolut nicht zu.

Sie war eine große Wasserratte, die an keiner Pfütze, keinem Bach vorbei gehen konnte, ohne sich genüßlich rein zu legen.

Im WW gab es einen Waldsee, dessen Ufer auf der hinteren Seite ca 1 m höher war, als der Wasserspiegel. Erreichten wir diesen Teich, dann lief Leika zu dem hinteren Teil des Sees und wenn wir Stöcke ins Wasser warfen, nahm sie Anlauf , hob am Uferrand ab und „flog“ im freien Flug, mit den Beinen in der Luft rudernd, ins Wasser. Leider, leider gibt es von diesen Situationen keine Fotos.

Wenn sie dann im Wasser landete, schwamm sie wie ein Otter zu dem Stock und brachte ihn an Land, damit dieser erneut von uns ins Wasser geworfen werden konnte. Solche Badeeinlagen waren für unsere lustigen Bären undenkbar, Caspar reichte es, wenn seine Pfoten nass wurden und Caramba ließ Wasser immerhin bis zu ihrem Bauch an sich ran.

Dafür fand Leika Fährtenarbeit überhaupt nicht lustig, war unkonzentriert und man merkte, dass sie daran keine Freude hatte. Das war völlig in Ordnung, denn so fuhr ich weiterhin mit Caspar und Caramba zu Ausbildungswochen und Prüfungen, während Leika bei meinem Mann blieb und den dann so richtig um ihre Pfoten wickelte.

Kam ich nach Hause zurück, bekam ich zu hören, „Issi, wir müssen unbedingt an Leikas Leinenführigkeit arbeiten und sie muß auch schneller hören, wenn man sie ruft“.

Sagen muß ich, dass Leika bei mir sehr gut hörte und auch nicht zog, nachdem sie mich als Hundeführer akzeptiert hatte. Aber meinen Mann führte sie immer wieder vor, selbst auf dem Hundeplatz machte sie ihre Späßchen mit ihm, was beide sehr lustig fanden – ich nicht!