Ilona Klotz
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Januar 2014

Streithennen

Caspar, Caramba, Leika, ein tolles Rudel! Sie gehorchten sehr gut, vertrugen sich, und wir hatten unsere große Freude an ihnen.
Eines Tages, die Hunde waren bei herrlichem Sommerwetter im Garten, hörte ich plötzlich ungewohnte, gurgelnde Geräusche von draußen. Ich lauschte, schaute aus dem Fenster und dann lief ich in den Garten. Dort bot sich mir ein bisher nie da gewesenes Bild.
Caramba und Leika bissen sich so heftig, dass ich sie nicht auseinander bekam. Ich flitzte zum Gartenschlauch, drehte den Wasserhahn voll auf und richtete den Wasserstrahl abwechselnd in die Gesichter der Streithennen.
Endlich, es schien mir wie eine Ewigkeit, ließen sie von einander ab. Zunächst sahen sie fürchterlich aus, denn das völlig durchnässte Fell hatte sich an einigen Stellen rot gefärbt. Zum Glück waren die Verletzungen dann nicht so schlimm, wie es zunächst ausgesehen hatte.
Nachdem ich die beiden abgetrocknet, die Wunden versorgt und mich beruhigt hatte, hatte ich die Hoffnung, dass es eine einmalige Auseinandersetzung der Hündinnen gewesen war.
Zunächst schien ich recht zu behalten. Die nächsten Tage und Wochen gab es keinerlei kritische Situationen zwischen den beiden.

Dann waren wir an einem Wochenende im Westerwald. Nach regnerischen Tagen konnten die Hunde endlich mal wieder in den Garten. Mein Mann war mit dem Rennrad unterwegs und ich hielt mich im Haus auf. Da zuckte ich zusammen, das waren doch wieder diese komischen Töne. Ich lief raus und sah, wie Caramba und Leika sich wieder richtig böse bissen. In meiner Not nahm ich eine Haushaltsaluleiter, die an der Hauswand lehnte und rammte sie zwischen die wütenden Hündinnen. Von nun an wurde immer klarer, dass wir die beiden keine Minute mehr aus den Augen lassen durften. Solange mein Mann oder ich in der Nähe waren, herrschte Frieden.

Auch auf unseren Spaziergängen war alles gut. Fanden Caramba und Leika ein Mauseloch interessant, dann durfte Caramba als erste buddeln, Leika stand etwas im Hintergrund und wartete, bis das Mauseloch frei gegeben wurde.
Drinnen saßen sie neben einander, wenn sie aufs Futter warteten, lagen auch abends neben einander. Aber ich merkte immer mehr, dass ich sie nicht mal mehr für zwei Minuten alleine lassen durfte. Die Stänkerjette war Leika, die ich mehrmals im letzten Moment von Caramba wegziehen konnte, wenn sie sich auf die ahnungslos z.B. im Flur oder auf der Terrasse liegende Rivalin stürzen wollte.

Es begannen sehr anstrengende Zeiten, denn Leika war pfiffig genug, um Situationen direkt zu erkennen und richtig einzuschätzen. Sie wusste, dass ich sie beim Toilettenbesuch nicht im Blick hatte, dass ich am Telefon abgelenkt war, dass ich nicht anwesend war, wenn die Korridortür hinter mir ins Schloss fiel oder Besuch an die Haustür gebracht wurde. Immer öfter kam es zu heiklen Situationen, sodass wir Kindersicherungen an einigen Zimmertüren anbrachten und wirklich penibel darauf achteten, dass die Hündinnen, sobald wir nicht in Sichtweite waren, von einander getrennt wurden.

Mit Caspar hatte Leika keine Probleme. Er war immer froh, wenn sich niemand um ihn kümmerte. Das angespannte Verhältnis zwischen den Hündinnen erschwerte unseren Alltag erheblich und so lange, bis der Tod sie im hohen Alter trennte.