Februar 2012
Asso im Rheinland angekommen
Asso war glücklich, als wir in Bonn ankamen, sofort raste er nach dem Öffnen der Haustür hoch zu meiner Mutter, bellte vor ihrer Wohnungstür und begrüßte sie stürmisch. Dann saß er – vor dem Schrank mit den Leckerchen – und schien ihn zu hypnotisieren. Aus der Dose sprang kein Keks raus, aber meine Mutter gab ihm natürlich mindestens zwei Stück zur Begrüßung.
Für Asso war die Rückkehr nach Bonn ganz selbstverständlich, und er hatte keinerlei Schwierigkeiten, sich einzugewöhnen. Er fuhr mit mir im Bus, wir gingen durch die Godesberger Geschäfte, er lief toll am Rad mit, alles war bestens. Alle zwei Tage telefonierte ich mit seinem Frauchen in Bochum, und auch sie schien zufrieden, dass Asso sich so gut eingelebt hatte. Einmal im Monat fuhren wir ins Ruhrgebiet und immer führte uns der erste Weg zu der Wirtin. Die Begrüßung zwischen Asso und ihr war überschwänglich, aber wenn es an die Verabschiedung ging, dann saß mein Berner an der Eingangstür, damit ich ihn nur ja nicht vergaß.
Bald lernte ich nette „Hundeleute“ in Bonn kennen, und da mein Mann damals immer das Auto zur Fahrt in den Dienst brauchte, holte uns bald jeden Morgen eine Bernerbesitzerin mit ihren zwei Bernern ab, damit wir morgens zusammen auf dem Rodderberg spazieren gehen konnten. Da auch oft ihre Schwester mit ihrem Hund mitgenommen wurde, sah man hinten in dem Combi nur Hunde, Hunde, Hunde. Kamen wir am Ziel an und die Kofferraumklappe öffnete sich, dann hatte man den Eindruck, das Tierheim hätte gerade Ausgang.
Irgendwann lernte ich am Rodderberg auch eine Schäferhundbesitzerin kennen, mit der ich mittags oft meine Runden drehte. Sie war Mitglied im Hundesportverein und überredete mich eines Tages, doch auch mal an den Übungsstunden teilzunehmen. Irgendwann stand eine Nachtübung auf dem Programm und die wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Die Neugier trieb mich zur Teilnahme und die Frage: War mein großer Berner ein Hund, der mich beschützte?
An einem Spätnachmittag trafen wir uns mit unseren Hunden am Hundeplatz und gingen zum Schützenhaus nach Niederbachem. Dort mussten wir noch eine ganze Weile warten, bis endlich die Dunkelheit herein gebrochen war. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen, wusste ich doch nicht, was mich auf dem wirklich völlig dunklen Waldweg erwarten würde. Endlich waren Asso und ich dran und marschierten beherzt in den stockdunklen Wald hinein.
Plötzlich wurde unmittelbar vor uns eine dunkle Fahne über den Weg gezogen, einige Meter weiter rasselten leere Blechdosen über den Weg und zum Schluss kam der Figurant drohend hinter einem Busch auf uns zugesprungen. Was mein Hund machte? Nichts!!! Er schaute jedes Mal ruhig und gelassen den „Bedrohungen“ hinterher, und selbst bei dem „Angreifer“ machte er keine Anstalten, mich, sein Frauchen, zu verteidigen.
Ich war maßlos enttäuscht von meinem Asso. Toll, da hatte ich einen großen Hund, und er würde mich noch nicht einmal verteidigen, dachte ich. Aber ich hatte den Burschen unterschätzt, denn der war viel schlauer, als ich es gedacht hatte.
Die Warterei vor der Übung, der gemeinsame Gang mit den anderen Teilnehmern zum Ort des Geschehens, die Warterei am Wald, bis wir dran waren, das war für den Hund keine Situation, die er wirklich bedrohlich fand. Für ihn war das wohl Spielerei und da hat er halt, mir zu Gefallen, mitgemacht.
Es waren vielleicht zwei bis drei Monate vergangen, Asso lag im Vorgarten in der wärmenden Frühlingssonne, während ich den ersten Rasenschnitt machte. Da kam von der anderen Straßenseite ein Mann auf unser Grundstück zugesteuert und blieb direkt an unserer Hecke stehen und rief mir relativ laut zu: „Hallo, sind Sie die…“ – weiter kam er nicht, denn da hing ihm mein Asso schon wütend knurrrend am rechten Ärmel. Nach der Schrecksekunde ließ ich einen Brüll los und Asso kam umgehend wieder in unser Grundstück zurück. Nachdem ich Asso ins Platz befohlen hatte, kümmerte ich mich erst einmal um den Herrn, der, wie sich dann herausstellte, unser Zeitungsbote war. Zum Glück hatte er dank seiner dicken Winterjacke nur ein Paar blaue Flecken abbekommen und belieferte uns auch weiterhin mit der Zeitung.
Auch wenn es mir Leid tat, dass sich der freundliche Zeitungszusteller erschreckt hatte, so war ich mir von da an sicher, dass mein Asso mich in gefährlichen Situationen verteidigen würde.







