Ilona Klotz
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Februar 2014

Silvesterstress

Jedes Jahr Silvester kommen Erinnerungen in uns hoch, denn die Tage zwischen dem 2.Weihnachtsfeiertag und Silvester waren für viele Jahre sehr stressig. Nicht so sehr für meinen Mann und mich, aber für Caramba, Leika und unseren Gasthund Ronny. Sobald die ersten Böller knallten, drehten die drei Berner am Rad. Unsere Hündinnen zitterten wie Espenlaub, hechelten und waren völlig aufgeregt. Ronny verweigerte konsequent die Gassigänge mit seinem Herrchen. Alle Überredungskünste, die besten Leckerchen vor der Nase des Berners, nichts konnte ihn bewegen, die Wohnung oder das Auto zu verlassen.
Kraftakte vom Herrchen, den Hund zu ziehen, scheiterten an Ronnys Lebendgewicht von 58 kg, die er durch die Verweigerung gefühlt verdreifachte.
Nur Caspar blieb ruhig und gelassen und ließ sich durch die hektischen Kumpels zum Glück nicht anstecken.

Ronny ging nur mit, wenn ich ihn abholte oder mit Herrn und Hund die Runden drehte. Wohl fühlte er sich dann auch nicht, aber er ging wenigstens mit und konnte seine Geschäfte erledigen.

Ja, dann waren mein Mann und ich Weihnachten für 10 Tage in den Westerwald gefahren, als am 2. Feiertag der Hilferuf aus Bonn kam. Ronny hatte sich die ganzen Tage geweigert, raus zu gehen und die Chancen waren sehr gering, dass sich an seinem Verhalten etwas ändern würde. Also fuhren wir nach Bonn und holten Ronny zu uns in den WW. Seine Menschen waren traurig, aber es schien für den Dicken das Beste zu sein, zumal in unserem Ort vor Silvester so viel nicht geknallt wurde.

Trotzdem hörte man in der Ferne immer mal Knallerei und deshalb ging mein Mann mit unseren Bernern spazieren, während ich mit Ronny die Waldrunden drehte, besser gesagt, zunächst versuchte. Wir hatten uns auf einem Waldweg ca. 800m vom Auto entfernt, als ganz in der Ferne ein Schuss zu hören war. Ronny warf sich blitzschnell rum und gab Gas, Richtung Auto. Da hatte ich aber die Leine schon mit beiden Händen gefasst, flog die ersten Meter noch hinter dem Burschen her, als es mir gelang, die Fersen beider Füße in den weichen Waldboden am Wegrand zu stemmen und mein Körpergewicht nach hinten zu verlagern.

Da ich kein Fliegengewicht bin, gelang es mir tatsächlich, ihn zu stoppen und mit einem kräftigen, verbalen Anpfiff blieb er stehen und schaute mich an. Anscheinend hatte ich ihn mit dieser Aktion so verdutzt, dass er wußte, Schlittenfahrt mit der – unmöglich! Danach konnten wir einen schönen Spaziergang machen und von nun an stand gemeinsamen Spaziergängen mit allen vier Hunden nichts mehr im Weg.

Gemütlich waren unsere Silvesternächte früher nie, denn um 23.30 Uhr verluden wir Jahre lang unsere 4 Berner und fuhren irgendwo weit in den Wald hinaus, machten dort Licht im Auto an, drehten das Radio laut auf, tranken einen Piccolo (jeder einen) und erst nach Mitternacht kehrten wir dann ins Dorf zurück.