Ilona Klotz
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Januar 2013

Familienzuwachs - ja oder nein?

Wir hatten mit unserem Jungrüden Caspar eine ruhige Adventszeit verbracht. Da brachte kurz vor Weihnachten ein Anruf meiner Freundin und Züchterin von Caspar, Unruhe in unsere vorweihnachtliche Stimmung.
Eigentlich war es ja nur eine Info, die ich von ihr bekam, denn sie erzählte, dass Caramba, die Schwester von Caspar, zurückkäme. Sie habe einen Vorbiss und könnte nicht in die Zucht. Ob ich wohl jemanden wüsste, der die fast 7 Monate alte Bernerin nehmen würde. Ich versprach ihr, mich umzuhören und dann wieder zu melden.
Ach, was waren das schwere, nachdenkliche Weihnachten. Immer und immer wieder drehten sich die Gedanken um Caspars Schwester.
Ich weiß heute nicht mehr – hörte ich mich wirklich um oder doch nicht?
Irgendwann, zwischen Weihnachten und dem Jahreswechsel, rief ich meine Freundin an und konnte ihr die frohe Botschaft verkünden – es gab Interessenten für Caramba.
Na, kommen Sie drauf – wer das war? Richtig, ja, mein Mann und ich hatten uns entschlossen, die Bernerin zu uns zu holen. Ich fieberte dem neuen Jahr entgegen, aber die Tage schlichen nur so dahin.

Am 2. Januar war es endlich soweit, wir starteten nach Bieberach. Unsere Gefühle waren eine Achterbahn, mal freuten wir uns enorm auf den Familienzuwachs, dann wieder hatten wir Sorge, ob die Entscheidung wirklich richtig war.
Endlich kamen wir am Ziel an und wurden bellend von den Bernern und freudig von ihrem Frauchen begrüßt.

Bei dem ersten Spaziergang mit unserer „zukünftigen“ Hündin kamen mir große Zweifel und am liebsten wäre ich schon das erste Mal wieder nach Hause gefahren. Mal war Caramba in einem Hühnerhof verschwunden und kontrollierte die Näpfe. Dann war sie wieder irgendwohin „abgehauen“ und ein Gespräch mit der bisherigen Besitzerin war kaum möglich, weil sie ständig hinter dem Wirbelwind herbrüllte. Verstohlen schaute ich auf unseren Jungrüden und dachte – was tun wir uns denn da nur an?

Die Nacht war unruhig und dem nächsten Tag schauten wir mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Wir holten Caramba und ihr bisheriges Frauchen mit den anderen Hunden zum letzten gemeinsamen Spaziergang ab. Lustig und übermütig tobte Caramba durch die Gegend, forderte ihren Bruder zu Fangspielen auf und freute sich einfach ihres Lebens.
Unsere Stimmung war auf dem Tiefpunkt, wussten wir doch, dass das der letzte Spaziergang der Kleinen in ihrem bisher vertrauten Umfeld war. Aber es nutzte nichts, die Zeit lief und wir erreichten die Autos. Schnell erfolgte die Verabschiedung, Caramba sprang, dank Leckerlies, in unser Auto; mein Mann saß am Steuer und ich auf dem Beifahrersitz.

Wir ließen Bieberach hinter uns und ich hätte was drum gegeben, wären wir wieder umgekehrt und hätten Caramba da gelassen, wo sie die letzten Monate glücklich und unbeschwert aufgewachsen war. Der Blick in den hinteren Teil unseres BMW brach mir fast das Herz. Unser Caspar lag entspannt auf der Rückbank, während seine Schwester saß und ihren Kopf auf die Rückenlehne gelegt hatte und gebannt zurück nach Bieberach schaute . Ich konnte rufen, locken, schmeicheln, sie wendete nicht den Kopf . Ich konnte meine Tränen nur schwer unterdrücken und bereute zum 100ersten Male unsere Entscheidung und stellte mir immer wieder die Frage, wie sollte das nur weitergehen mit unserer traurigen Caramba?