Ilona Klotz
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Februar 2013

Liebe geht durch den Magen

Wir entfernten uns immer weiter vom Abholort, während Carambas Schnauze auf der Rückenlehne auflag und sie ununterbrochen zum hinteren Fenster raus schaute – zurück nach Bieberach. Mein Mann starrte auf die Straße, sprach kein Wort, mir war elend zu Mute und ich kämpfte mit den Tränen. Eine tolle Stimmung und von der Vorfreude auf unsere Caramba war nichts mehr zu spüren.

Wir waren eine knappe Stunde unterwegs, als mein Mann einen Parkplatz ansteuerte. Beim Aussteigen sagte er: „Du fährst.“ Also übernahm ich das Steuer, während er hinten unsere Hündin herausholte, sein Verpflegungspäckchen aus dem Kofferraum nahm, den Beifahrersitz ganz nach hinten fuhr und dann Caramba im Fußraum platzierte. Kaum waren wir gestartet, teilte mein Mann sein Brot mit der Kleinen, zuletzt gab es noch Äpfelchen – ein Stück für Herrchen, ein Stück für die jetzt recht munter schauende Hündin.

Nach dem gemeinsamen Mahl wollte sie gerne auf seinen Schoß, aber entweder war der Schoß zu klein oder die Sennerin zu groß. So setzte sie sich auf ihre Pobacken und legte wenigstens die Vorderpfoten auf die Oberschenkel meines Mannes, während der ununterbrochen ihre Ohren kraulte.

So, die erste Hürde schien genommen. Dafür saß mir die Zeit im Nacken, und ich gab mächtig Gas, denn die Wettervorhersage hatte für unsere Strecke Blitzeis vorhergesagt. Eine Horrorvorstellung und deshalb änderten wir die Route, sodass wir zunächst vor dieser Front herfuhren. Aber im Oberwesterwald wurden wir vom Wetter eingeholt und es begann zu regnen. Trotz der vereisten Straßen erreichten wir nach Stunden heil unser Zuhause und Caramba erkundete, gefolgt von Caspar, neugierig ihr neues Zuhause.
Sie entpuppte sich als eine lustige, etwas aufgeregte Hündin. Am nächsten Tag trafen wir uns mit meiner Freundin und deren Bernern, um einen gemeinsamen Spaziergang am Rodderberg zu machen. Kaum waren wir vielleicht 500 m vom Parkplatz entfernt, als an einer Hangwiese ein Hase aufsprang, und bevor wir richtig begriffen, was da abging, jagte unser Neuzugang mit lautem Geschrei die Wiese runter, gefolgt von dem alten Bernerrüden Rocky. Mit einem zufriedenen, glücklichen Gesichtsausdruck kam Caramba zurück, während sich Rocky mühsam den Hang hinauf quälte. Ich war richtig sauer und ließ sie darüber auch nicht im Ungewissen.
Schnell lebte sie sich bei uns ein, orientierte sich an ihrem Bruder. Ich hatte eine junge Frau mit ihrer Schäfermix-Hündin kennen gelernt, und wir verabredeten uns mehrmals in der Woche. Die Hunde tobten durch den Schnee, und wir waren nun doch glücklich, dass wir unsere Caramba zu uns geholt hatten. Sie bemühte sich, uns alles recht zu machen, gehorchte prima und Caspar und Caramba waren ein Dreamteam.

Trotzdem unternahm mein Mann sehr viel mit Caramba alleine und ich mit unserem Caspar. Die Hunde sollten erst einmal eine starke Bindung zu uns aufbauen, damit sie als Rudel nicht zu eigenständig wurden. Lästig und zeitaufwändig, aber bei mehreren Hunden in einer Familie ganz wichtig!

Caramba lebte sich sehr schnell bei uns ein und wurde von Tag zu Tag fröhlicher, unbeschwerter und lustiger und mein Mann und ich waren uns sicher, eine wunderbare, hoffentlich lange Zeit, mit Caspar und Caramba, lag vor uns.