Ilona Klotz
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Dezember 2012

Ein neuer Virus

Unser Casparle war einfach ein Goldstück. Er war lustig, verschmust, wollte immer alles richtig machen und war nur gut gelaunt.
Wir hatten einen wunderschönen Samstag im WW verlebt, Caspar war etwas mehr als vier Monate alt, als mir am Abend unser Kleiner so ruhig vorkam. Zunächst beruhigte mich noch mein Mann, dass der kleine Kerl vom Tagesgeschehen müde sei. Aber mein Bauchgefühl ließ mich zum Fieberthermometer greifen und – er hatte 40,6 Grad Fieber.
Ich lief zur Telefonzelle, denn Handys gab es noch nicht, oder wir hatten zumindest keins.
Der Tierarzt befand sich im Oberwesterwald bei der Geburt eines Kalbs, sei aber fast fertig und komme dann sofort zu uns. Es war fürchterlich, wie mein Caspar von Minute zu Minute weniger und immer apathischer wurde. Er lag lang hingestreckt auf dem Küchenfußboden, mochte den Kopf nicht heben, reagierte auf Zurufen nicht mit freudigem Schwanzwedeln, er war nur ein Häufchen Unglück.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine kleine, zierliche, etwas dümmliche schwarze Mieze, die, sobald wir ankamen, mit ins Haus ging und übers Wochenende eine reine Wohnungskatze war. Als es nun unserem Bärchen immer schlechter ging, lag sie zunächst auf einem der Sessel im Wohnzimmer. Ich hockte bei Caspar auf dem Boden, als plötzlich Mörchen zu uns kam, kurz an dem Patienten schnupperte und sich dann mit ihrem Rücken an seinen Bauch drückte und dort liegen blieb, bis endlich der Tierarzt kam.
Caspar hatte sich irgendeinen Infekt eingefangen, der dann aber, mit den entsprechenden Medikamenten, relativ bald in den Griff zu bekommen war.

Nachts war unser Bernerle sehr schnell trocken, aber am Tag kam es immer wieder zu „Unfällen“. Selbst noch im Alter von 5 Monaten schaute er kurz zur Terrassentür und wenn die geschlossen war, dann ließ er es halt laufen und es musste mal wieder ein Bach aufgeputzt werden.

Caspar wuchs heran, und es war spannend, weil er jeden Tag anders aussah. Mal war er hinten höher, dann sah er vorne und hinten gleich aus, dann hatte er wieder zu lange Beine und kurz darauf war er wieder hinten höher.

Beständig war seine Leidenschaft für die Fährtenarbeit. Unbändig war seine Freude, wenn es in die Fährte ging. Er suchte ruhig und hoch konzentriert und keine Fährte war ihm zu lang oder zu schwer. Irgendwann folgte ich der Empfehlung meiner Freundin und legte Gegenstände in die Fährte, die Caspar „anzeigen“ sollte. Wie gesagt – er sollte sie anzeigen, aber er ignorierte sie dermaßen, als wären sie überhaupt nicht da.
Da ich ja niemals Prüfungen laufen wollte, ließ ich seine Abneigung durchgehen und hob, ohne Kommentar, jeden Gegenstand selber wieder auf, was ich später noch sehr bereuen sollte.