Ilona Klotz
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August 2013

Nass bis auf die Haut

Eine außergewöhnliche, etwas abenteuerliche Prüfung in Hünxe ist mir noch in sehr guter Erinnerung geblieben. Ich hatte mich mit Caspar und Caramba wieder zu einem Fährtenpokal angemeldet und wir reisten schon Freitagabend in Hünxe an, bezogen unser Hotelzimmer und trafen uns abends mit den anderen Teilnehmern zu einem gemütlichen Beisammensein.

Am Samstagmorgen, nach einem guten Frühstück, ging es ins Gelände. Ich wurde gefragt, welchen Hund ich zuerst führen wollte.

Mit Caspar wollte ich starten und danach sollte Caramba ihre Fährte absuchen.

„Issi, hast Du Gummitiefel und vor allem eine Regenhose dabei?“ wurde ich vom Prüfungsleiter gefragt. Erstaunt sah ich ihn an, denn ich fühlte mich etwas auf den Arm genommen. Immerhin war es ein wunderschöner Sommermorgen, die Sonne schien und da wurde ich nach Gummistiefeln und Regenhose gefragt? Letztere besitze ich zwar, hatte sie aber noch nie getragen und auch nicht dabei.

Ich hinterfragte die Order und erfuhr, dass Carambas Fährte durch hohes Gras gelegt war und es recht nass werden könnte. Na gut, also entschloss ich mich zu Gummistiefeln, die ich immer im Auto hatte.

Caspars Fährte fing in einer Weide an, steuerte auf einen Weidezaun zu und ich fragte mich schon, wo geht das denn weiter. Kurz drauf wußte ich es, es ging unter dem Stacheldraht durch und gleich dahinter lag ein Gegenstand, sodaß ich in Ruhe unter dem Zaun durch kriechen konnte, während mein Rüde am Gegenstand lag. Ja, inzwischen, ich glaube, insgesamt hat es vier Jahre gedauert, hatte Caspar das Verweisen der Gegenstände gelernt.

Als ich meinen Berner erreichte, hob ich den Gegenstand hoch und zeigte ihn dem Richter, der noch jenseits des Zaunes stand.

Gerade als ich Caspar wieder ansetzen wollte, erklang von hinten der Befehl, “lassen sie den Hund noch einen Moment liegen, wir müssen hier auch erst durch“. Kein Problem, wir warteten geduldig, bis wir vom Prüfungsleiter zum Weiterfährten aufgefordert wurden.

Das Gras auf dieser Weide war extrem kurz und überall lagen dicke, noch recht frische Kuhfladen, die Caspar aber überhaupt nicht interessierten.

Sicher suchte er seine Fährte ab und wir hatten am Ende die Prüfung bestanden.

Dann fuhr die ganze Gruppe zum Gelände von Carambas Fährte. Eine große „Wiesenfläche“ lag, etwas unterhalb der Straße, vor uns.

Noch ahnte ich nichts Böses, machte Caramba für die Fährte fertig, zog ihr das Suchgeschirr an, machte die 10 m-Leine dran, verstaute die normale Leine und meldete uns beim Richter und Prüfungsleiter an. Uns wurde der Abgang gezeigt, Glück gewünscht und los ging es.

So eine Fährte hatte ich vorher noch nie gesehen und auch später nie wieder erlebt.

Ich darf meinem Hund erst folgen, wenn die Suchleine voll ausgefahren ist. Als das der Fall war, sah ich von meiner Caramba zunächst nichts mehr, sie war im hohen Gras verschwunden. Gelegentlich war die Schwanzspitze zu sehen, ansonsten folgte ich ihr blind. Als die Gedanken in meinem Kopf immer wirrer und ich immer nervöser wurde, zwang ich mich zur Ruhe und Besonnenheit und sagte mir immer wieder, „ vertraue Caruschel, die macht das schon“. Ja, und so war das auch. Voller Konzentration schaute ich nach vorne und sobald die Leine etwas nachgab, ahnte ich, dass sie am Gegenstand saß. Ich ließ die Leine fallen, ging nach vorne und war jedes Mal glücklich, wenn ich sie an einem Gegenstand sitzend, antraf.

Endlos kam mir diese Fährte vor, aber am Ende hatten wir es geschafft und nun wußte ich auch, weshalb ich eine Regenhose hätte anziehen sollen.

Caramba hatte kein trockenes Härchen mehr am Leib und meine Hose triefte, von der Hüfte abwärts, vor Nässe.

Aber das Wichtigste war, Caramba und ich hatten die Prüfung mit Bravour bestanden.