Ilona Klotz
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April 2014

Wasserarbeit

Leika liebte das Wasser, an keiner Pfütze, keinem Teich konnte sie vorbeigehen.

Aber die besten Jahreszeiten für unsere Wasseramsel waren Frühjahr, Herbst und Winter.
Warum? Weil der Regen dann die recht zahlreichen Bächlein in den Wäldern des Westerwaldes ansteigen ließ. Durch den höheren Wasserstand wurden Äste und Zweige mitgerissen und es kam immer wieder zu Stauungen in den Bachbetten.
Das waren unsere Einsatzorte. Entdeckten wir so eine Schwachstelle, dann suchte ich mir einen langen Stock und fing an, in dem Wirrwarr von Zweigen zu stochern. Leika stand währenddessen am Uferrand und beobachtete mein Tun. Wenn ich dann auf einen Ast zeigte, kam sie ins Wasser und zog und zerrte so lange an dem Holz, bis sie es rausgezogen hatte und ans Ufer brachte. Dort übernahm es Ronny und legte sich mit seiner Beute ins Laub, um sie zu zerkleinern. Manchmal wollte auch Caramba helfen, aber sie war dann immer so hektisch, dass sie an den falschen Stücken zog oder innerhalb kürzester Zeit den Spaß an unserer Wasserarbeit verloren hatte. Mit Leika konnte ich wirklich viele Staudämme beseitigen, und wir hatten unsere helle Freude, wenn das zunächst angestaute Wasser wieder ungehindert weiterfließen konnte.

Manchmal fing Leika sogar alleine an, Hindernisse in den Bachläufen zu beseitigen, die ich zunächst als zu klein abgetan hatte. Dann half ich ihr natürlich, und es war immer wieder toll zu sehen, wie clever unsere Leika war.
Auf diese Art und Weise legten wir auch manchen überschwemmten Waldweg trocken, und ich bewunderte immer die Ausdauer meines Mannes, der mit einer unendlichen Geduld unserem Treiben zuschaute, bis wir dann endlich weitergingen, um kurz darauf den nächsten Stau zu beheben.
Caspar hatte für unsere „Arbeit“ überhaupt kein Interesse, zumal Wasser auch nicht zu seinem Element zählte.

Leika beobachtete ihr Umfeld und alles, was damit zusammenhing, immer sehr aufmerksam und so war sie die einzige von meinen Bernern, die Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren ganz alleine erntete. Die grünen Früchte ließ sie hängen und pflückte nur die reifen Beeren ab, die sie dann mit spitzer Schnute genussvoll fraß.