April 2011
Schmitz, die Sonnenhungrige
An schönen Sonnentagen muss ich heute noch oft an Schmitz denken, die mich den ersten Sommer, als wir sie in den Westerwald mitgebracht hatten, manchmal wahnsinnig gemacht hat.
Schmitz lag gerne mitten auf dem Rasen in der prallen Sonne. Vormittags war das im Hochsommer noch o.k., aber in der wirklich heißen Mittagssonne konnte ich das einfach nicht mehr mit ansehen, wie sie sich – einem Brathähnchen gleich, schmoren ließ. Ihre Schnauze war weit geöffnet, die Zunge hing lang an der Seite raus, sie hechelte, dass einem angst und bange wurde, und die Augen waren nur noch schmale Schlitze. Die Katzen, Fiffi, Knolle – alle lagen im Schatten von Sträuchern und Bäumen, nur Frau Schmitz nicht.
Für uns stand fest, sie ist einfach zu dumm, um Schatten zu finden, also musste man ihr helfen. So stellte ich ihr einen Sonnenschirm auf. Ich weiß es heute nicht mehr, waren es 2 oder 3, vielleicht sogar 5 Minuten, die Schmitz unter diesem Schirm lag? Auf jeden Fall stand sie recht bald wieder auf und legte sich – in die pralle Sonne.
Nun wurde mein Mann aktiv und holte einen Schirmständer, das dazu gehörige Rohr und dann kam ein größerer Schirm zum Einsatz. Zugegeben, dieses „Bauwerk“ wirkte wesentlich stabiler als mein in die Erde gesteckter Schirm.
Schmitze legte sich drunter, aber ich glaube, nur um meinem Mann einen Gefallen zu tun, denn kaum lag sie, stand sie schon wieder auf und warf sich – in die pralle Sonne.
Am nächsten Tag beschlossen unsere Freundin und ich, der Armen eine regelrechte „Schutzhütte“ zu bauen. Aus Strohmatten, Zeltstangen und weißen Bettlaken bauten wir eine richtige Prachthütte, waren sehr angetan von unserem Kunstwerk, aber leider teilte Schmitz unsere Begeisterung in keinster Weise. Sie ging bis zum Eingang, schaute hinein, drehte sich um und lag dann wieder – in der prallen Sonne.
Zornig über so viel Sturheit ging ich ins Haus – sollte sie doch …! Als ich vielleicht eine halbe Stunde später in den Garten schaute, lag Schmitz im Schatten.
Später wussten wir, dass sie durchaus wusste, was Schatten bedeutete, aber es dauerte bei ihr wohl enorm lange, bis sie die Batterie richtig voll geladen hatte, denn irgendwann suchte sie den Schatten auf oder legte sich manchmal sogar auf die kalten Fliesen in der Küche, bis sie „runtergekühlt“ war.
Schmitz war übrigens der einzige Hund, der meinen Mann mehr schätzte als mich. Trennten sich in der Pilzzeit unsere Wege, dann überlegte Schmitz keine Sekunde, sondern ging immer mit meinem Mann mit.
Ihm las sie jeden Wunsch von den Augen ab und er brauchte nur mit leiser Stimme Kommandos geben. Bei mir testete unsere „Rüdin“ dagegen immer wieder, ob sie mir wirklich gehorchen sollte, und oft genug musste ich sie auch mal aufs Kreuz legen, damit die Fronten wieder richtig geklärt waren.
Je älter sie wurde, desto schärfer wurde sie – Boxer-Schäferhundmix!
An einem Tag waren mein Mann und ich unterwegs, Schmitz war zu Hause geblieben. Unsere Nachbarin Inge hatte sich angeboten, die inzwischen fertig gewaschene Wäsche im Garten aufzuhängen. Schmitz kannte Inge sehr gut, aber als Inge die hintere Tür zur Küche aufschloss, war die Hündin zu keinem Kompromiss bereit. Zornig bellend schoss sie auf Inge zu, die sprang zurück und rief geistesgegenwärtig Schmitz zu: „Wo ist der Uwe?“ Das war das Zauberwort, denn nun rannte Schmitz in den Garten und hielt nach Uwe Ausschau. Inge machte schnell die Tür von innen zu und rief über Telefon die Besitzer von Schmitz an, die dann die Rüdin ins Haus taten und Inge raus ließen.







